PRESSE


Das Darmstädter Echo schreibt:

Ein Piano-Pendler
Jazzkonzert: Der Mainzer Olaf Taranczewski spielt mit seinem Trio in Darmstadt

DARMSTADT. Als 1970 der geniale amerikanische Pianist Bill Evans das elektronische Klavier des Erfinders Harold Rhodes einsetzte, begann der Erfolgsweg des Fender-Rhodes-E-Piano. Bill Evans verwendete es häufig zusammen mit dem Flügel, indem er beide Instrumente gleichzeitig spielte. Diese Technik beherrscht auch der Mainzer Pianist Olaf Taranczewski, den man am Mittwoch im Gewölbekeller unterm Darmstädter Jazzinstitut in ähnlicher Pose wie Evans zwischen Flügel und E-Piano pendelnd beobachten konnte.

Im Rahmen eines Diplomkonzertes gab der Mainzer mit seinem Trio eine eindrucksvolle Kostprobe seines Konzeptes. Mit Kontrabassist Florian Werther und Schlagzeuger Axel Pape stehen ihm zwei sensible Mitspieler zur Seite, die die Herausforderungen der komplexen Arrangements kongenial meistern. Nach dem Vorbild des Amerikaners lässt ihnen Taranczewski freien Lauf, integriert ihre Impulse in seine Abläufe und entbindet sie ihrer rein metrischen Funktion. Der warme, voluminöse Klang des Kontrabasses vermischt sich mit den subtilen Akzenten des meist mit Besen agierenden Schlagzeugers.

Im Spiel des Mainzers schimmert die klassische Ausbildung durch, werden Einflüsse impressionistischer Komponisten deutlich. Selten ergibt er sich dem geradlinigen Groove und spielt seine Instrumente weniger perkussiv als pianistisch. Dabei steht die melancholische Grundstimmung der Stücke in deutlichem Kontrast zu den skurrilen, meist Heiterkeit verursachenden Anmerkungen des Hauptprotagonisten. Als letzte der acht vorgestellten Miniaturen bildet „Take Jive“ den abschließenden Höhepunkt, dem noch eine stürmisch geforderte Zugabe folgt.
Hans-Dieter Vötter, echo-online / darmstädter echo / 22.7.05